Green Bonds – Nachhaltig, teuer, erfolgreich? Eine ökonomische Mini-Analyse.

Die Regulierung grüner Anleihen schreitet voran: Seit Ende 2024 gilt die EU-Verordnung über Europäische Grüne Anleihen (EuGB), flankiert durch ESMA-Aufsicht, Prüferpflichten und Offenlegungsstandards. Doch wie sieht es jenseits der juristischen Konstruktion mit der Marktperformance aus?

Sind Green Bonds ein Erfolg?

Tatsächlich ja – jedenfalls gemessen an der Emissionsdynamik. Laut Climate Bonds Initiative wurde 2023 weltweit ein Volumen von über 570 Milliarden US-Dollar an als „grün“ etikettierten Anleihen begeben. Für 2025 erwartet die EU-Kommission ein Volumen von über 1 Billion Euro im europäischen Raum.

Besonders relevant:

  • Große Emittenten – darunter die EU selbst, Frankreich und Deutschland – haben Green Bonds erfolgreich platziert.
  • Auch Unternehmen und Banken ziehen nach: Die Nachfrage nach ESG-konformen Anlagen steigt – teils getrieben durch EU-Offenlegungspflichten und institutionelle ESG-Mandate.

Kostenfrage: Teurer als „graue“ Anleihen?

Jein. Die Emission eines Green Bonds verursacht typischerweise höhere Transaktionskosten:

  • Erstellung eines Green Bond Frameworks
  • Externe Gutachten (z. B. Second Party Opinion)
  • Interne Kosten für Mittelverwendungstracking & Berichte

Die Mehrkosten liegen – je nach Emittent – zwischen 30.000 und 150.000 Euro.

Aber: Diese Initialkosten werden zunehmend kompensiert durch die häufig geringere Emissionsrendite („Greenium“) von 2 bis 10 Basispunkten. Zudem: Zugang zu neuen Anlegergruppen, etwa SFDR-Artikel-8/9-Fonds oder ESG-only-Mandaten.

Regulatorischer Impact: Mehr Last oder mehr Marktchancen?

Mit Inkrafttreten der EuGB-VO hat sich die Situation zweifach verändert:

  • Klare Standards – mit Label-Zugang
  • Nur wer das offizielle EuGB-Regime erfüllt, darf das Label „European Green Bond“ tragen. Das bringt Klarheit – aber auch Compliance-Pflichten.
  • Freiwillige Anwendung zunehmend erwartet
  • Auch „nicht-offizielle“ Green Bonds werden häufig an den EuGB-Standards gemessen – wer diese vermeidet, riskiert Investorenverluste.

Fazit: Nachhaltigkeit mit Rendite – aber nicht ohne Governance

Green Bonds sind längst mehr als Marketing. Der Markt ist stabil, reguliert und wachsend – mit hoher Nachfrage und klaren Erwartungen. Wer mitspielt, braucht nicht nur ein Umweltziel, sondern auch ein belastbares Compliance-Setup für Taxonomie, ESG-Reporting und Governance.
Nachhaltigkeit ist kein Etikett, sondern ein aufsichtsrechtlich definierter Raum. Wer ihn betritt, sollte juristisch fest stehen.

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